Männerhemd: Wenn Frauen in der Beziehung beide rollen Übernehmen
- Nastya Krech
- 30. Aug. 2024
- 4 Min. Lesezeit

In einer Welt, in der sich die traditionellen Geschlechterrollen immer mehr verändern, habe ich selbst erlebt, wie es ist, als Frau Aufgaben und Verantwortungen zu übernehmen, die früher als typisch männlich galten. Sei es in einer Beziehung oder nach einer Trennung – wenn Väter ihre Rolle nicht mehr aktiv wahrnehmen, bleibt oft nur die Mutter, die nicht nur ihre eigenen Aufgaben meistert, sondern auch die des Vaters übernimmt. Für mich fühlt sich das manchmal so an, als würde ich ein Männerhemd anziehen – ein Symbol dafür, dass ich mich neuen Herausforderungen stelle, zusätzliche Verantwortung übernehme und mich in einer neuen Identität wiederfinde.
Die Übernahme männlicher Rollen in der Beziehung
In meiner Beziehung habe ich erlebt, wie sich das Gleichgewicht verschiebt, wenn ich beginne, die Aufgaben meines Partners zu übernehmen. Ich habe mich nicht nur um die klassischen Bereiche gekümmert, wie die emotionale Fürsorge und das Management des Haushalts, sondern musste auch Verantwortung für finanzielle Entscheidungen und andere wichtige Angelegenheiten übernehmen. Dieses "Männerhemd" anzuziehen, hat mich oft in ein Spannungsfeld gebracht: zwischen der traditionellen Fürsorge, die von einer Frau erwartet wird, und den Anforderungen, die historisch eher Männern zugeschrieben werden. Diese Doppelbelastung hat mir eine besondere Art von Stärke und Unabhängigkeit abverlangt, die ich erst nach und nach entwickelt habe, während ich gleichzeitig die Erwartungen und Bedürfnisse in meiner Partnerschaft auszubalancieren versuchte.
Die Rolle nach der Trennung
Besonders nach einer Trennung wurde mir klar, wie wichtig diese Metapher des „Männerhemdes“ für mich geworden ist. Als der Vater meiner Kinder seine Verantwortung nicht mehr übernahm, sah ich mich gezwungen, nicht nur die Mutter-, sondern auch die Vaterrolle auszufüllen. Oft habe ich beobachtet, dass Männer in dieser Situation schnell eine neue Partnerin finden, die als Ersatzmutter für die Kinder und für ihn selbst fungieren soll, anstatt selbst die Rolle zu übernehmen, die ich ausfüllen musste. Es scheint einfacher zu sein, diese Lücke durch eine neue Beziehung zu füllen, als sich den Herausforderungen der Vaterrolle allein zu stellen.
Im Gegensatz dazu brauchte ich nach der Trennung viel Zeit, um wieder Vertrauen zu fassen und vielleicht einen neuen Partner in mein Leben und das meiner Kinder zu lassen. Für mich steht die Verantwortung gegenüber meinen Kindern im Vordergrund, und ich entschied mich bewusst dafür, die zusätzliche Belastung vorerst alleine zu tragen. Den ein neuer Partner ist ja eigentlich was tolles, aber es ist trotzdem keine Garantie für eine harmonische Partnerschaft und traditionellen Rollen ausgleich wenn es ernst wird. Diese Entscheidung, sowohl die Mutter- als auch die Vaterrolle zu übernehmen, hat mir eine Resilienz und Anpassungsfähigkeit abverlangt, die ich zuvor durch meine vaterlose Kindheit kannte und eigentlich nicht noch mal in meinem Leben durchleben wollte.
Die Auswirkungen auf meine Kinder
Natürlich hatte diese Situation auch Auswirkungen auf meine Kinder. Ich habe gemerkt, wie wichtig es für sie war, dass ich ihnen in dieser turbulenten Zeit Stabilität und Sicherheit bieten konnte. Sie haben mich als die konstante Bezugsperson wahrgenommen, die immer für sie da war. Gleichzeitig habe ich aber auch gespürt, dass meine Doppelbelastung nicht spurlos an ihnen vorbeiging. Sie spürten oft, dass ich gestresst, übermüdet und manchmal auch überfordert war, und ich musste aufpassen, dass sie nicht zu früh erwachsen werden mussten und ich die Stresssituationen schnell unter Kontrolle bekommen muss.
Es ist mir bewusst, dass meine Kinder möglicherweise vertrauensvolle väterliche Führung und Unterstützung vermissen, die sie von ihrem Vater hätten bekommen können. Besonders für meinen älteren Sohn ist es eine Herausforderung, eine positive männliche Identität mit einem aktiven männlichen Vorbild zu entwickeln. Als der Vater meiner Kinder seine neue Partnerin vorstellte, habe ich bei meinen Kindern oft Verwirrung und Gefühle der Verlassenheit erlebt, musste ich intuitiv die Situation für den Vater meiner Kinder grade biegen und es Kindern erklären, während sie mich als die einzige verlässliche Konstante wahrnahmen, trotz der ganzen Verwirrung.
Mütter als Vorbilder in beiden Rollen
Für mich ist es zur Realität geworden, dass ich für meine Kinder sowohl das mütterliche als auch das väterliche Vorbild bin. Ich versuche, ihnen beizubringen, was es bedeutet, ein starker, unabhängiger und verantwortungsbewusster Mensch zu sein, und dabei sowohl weibliche als auch männliche Qualitäten zu verkörpern. Dieses "Männerhemd", das ich trage, steht für die zusätzliche Verantwortung, die ich übernommen habe – oft unsichtbar, aber von großer Bedeutung für die Entwicklung meiner Kinder.
Mein Fazit
Für mich verdeutlicht die Metapher des "Männerhemdes", das ich angezogen habe, die komplexen Herausforderungen und die immense Verantwortung, die ich als Mutter übernommen habe. Ich musste lernen, sowohl die mütterliche als auch die väterliche Rolle zu füllen – und das oft mit einer Stärke und Resilienz, darauf bin ich sehr stolz. Während viele Männer nach einer Trennung schnell versuchen, eine Ersatzpartnerin zu finden, habe ich mich dafür entschieden, diese Rolle selbst zu übernehmen, anstatt auf die Partnersuche zu gehen. Diese Entscheidung hat nicht nur mein Leben, sondern auch das meiner Kinder geprägt. Sie haben in mir Stabilität und vielseitige Vorbilder gefunden, die ihnen helfen, sich in einer veränderten Welt zurechtzufinden. Aber! Trotz all dieser Herausforderungen sollte der Partner oder Ex-Partner jedoch nicht vergessen, dass er verpflichtet ist, seinen Teil zur Erziehung der Kinder beizutragen. Kinder zu bekommen und großzuziehen ist eine gemeinsame Aufgabe, die zu 50/50 geteilt werden sollte – nicht zu 100% von einer Person allein getragen. Zur Erziehung gehören beide Elternteile, und das auch ohne den Einfluss eines Dritten. Es ist wichtig, dass beide Eltern ihre Verantwortung anerkennen und zum Wohl der Kinder zusammenarbeiten, unabhängig von ihrer Beziehung zueinander.
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